Die Mecklenburger Seen Runde 2014 fand als Radsportevent in Neubrandenburg vom 23.05.2014 bis 24.05.2014 statt. Insgesamt nahmen 2.600 Teilnehmer an der bundesweit größten Radtour dieser Art teil. Ich gehörte ebenfalls zu den Teilnehmern. Zur Auswahl standen zwei Routen. Die 90 km Tour die nur Frauen vorbehalten war. Und die 322 km Tour an der Frauen und Männer teilnehmen durften.

Ich möchte in diesem „Recap“ meine Erfahrungen von der 322 km Tour mit euch teilen. Gleichzeitig diesen als konstruktive Kritik an der Mecklenburger Seen Runde nutzen und Lob verteilen. Vorab, ich freue mich schon auf eine Wiederholung der Mecklenburger Seen Runde im Jahr 2015.

Organisation bis zum Start

Startunterlagen abholen

Bereits ab 10.00 Uhr konnten Teilnehmer am 23. Mai 2014 ihre Startunterlagen abholen. Ich nahm die Möglichkeit wahr und habe mich schon 15 Minuten früher in die noch kleine Warteschlange eingereiht, die schnell wuchs. Nach etwa 45 Minuten hatte ich die Hälfte meiner Unterlagen, es fehlte nur das Trikot. Auf dieses warte ich nun Zuhause bis es via Postweg kommt. Ist nicht dramatisch, müsste vorm ersten Einsatz eh gewaschen werden.

Die freiwilligen Helfer (denen ich sehr dankbar für ihre Mühen bin!) waren leider bei der Ausgabe der Unterlagen anfangs komplett planlos. Scheinbar wurde es nicht vor Beginn koordiniert und ordentlich besprochen. Spätere Teilnehmer die gegen Mittag ihre Unterlagen holten, sprachen von kurzen Wartezeiten bis nur 10 Minuten. Die Trikots fehlten bei vielen Teilnehmern.

Mein Feedback: Stellt die Kartons mit den Unterlagen nächstes Jahr auf Tische. So muss sich nicht jeder Helfer immer bücken. Auf Dauer ist das sicher sehr anstrengend und ungesund gewesen.

Programm für Teilnehmer und Gäste

Über den gesamten Tag hinweg konnte im Kulturpark Neubrandenburg das Programm genossen werden. Es gab Bands die auf der Bühne für Musik sorgten. Stände mit Fahrradzubehör. Hier war unter anderem Fulcrum mit einem eigenen Stand dabei. Und natürlich war Didi Senft anwesend.

Gegen 18:00 Uhr fand die Begrüßung der Gäste und Teilnehmer durch den Veranstalter statt. Es wurden Partner und Sponsoren, sowie alle weiteren Unterstützer vorgestellt und zeitweise auch direkt im Interview auf der Bühne befragt. Anwesend war auch stets das NDR welches später auch eine Gruppe an Radfahrern begleitete und einen 10-Minuten-Zusammenschnitt ausstrahlte (Video, ab Minute 17:30).

Vorab-Informationen für Teilnehmer

Großes Lob möchte ich dem Veranstalter für seine Presse- und Informationsarbeit aussprechen. Ich fühlte mich als Teilnehmer vom ersten Tag an gut informiert. Rechtzeitig wurden wichtige Daten wie die genaue Route geteilt. Dazu gab es seitenweise Warnungen für die Gefahrenstelle. Wenn man wollte, hatte man diese auch in der Tracking-Datei direkt integriert.

Es wurde ein Trainingsplan für die Teilnehmer bereitgestellt. Diesem konnte man sich entweder selbst anpassen oder einfach auszugsweise so nutzen das er zum eigenen Training passt. Erkältungsbedingt konnte ich ihn zwei Wochen vor Start nicht mehr fortsetzen. Wie ihr nachher noch lest, hat es trotzdem gereicht. 😉

Start der Mecklenburger Seen Runde

Start der MSR 2014
Start der MSR 2014

20:15 Uhr war meine Startzeit. Gemeinsam mit einem Mitstreiter aus der Trainingsgruppe, ging es im feuchten Startfeld auch überpünktlich los. Wir reihten uns zwischen ca. 50 weitere Startern ein. Eher im vorderen Feld. Denn im Regen ist hinten fahren kein Genuss. Eskortiert von der Polizei wurden wir die wenigen Kilometer in einem ruhigen Tempo aus Neubrandenburg herausgeführt. Gleichzeitig wurden wir damit in die kommende Nacht entlassen.

Das Teilnehmerfeld war sehr diszipliniert. Die Startgruppe blieb bis zur ersten Verpflegungsstation auch relativ gut zusammen. Das Tempo im letzten Tageslicht war anspruchsvoll hoch aber haltbar. Wasser vom Vordermann schluckte ich äußerst viel und brauchte nicht zur eigenen Flasche greifen.

Nach 35 Kilometern kam bereits die erste Station. Normalerweise ist das keine lange Distanz und ich hätte sie auslassen können. Allerdings habe ich mir vorgenommen jede Station mindestens für fünf Minuten anzufahren. Ich wusste ja nicht wie es auf 322 km mir noch ergehen wird. Somit blieb ich kurz stehen. Bananen essen, Kaffee trinken und dann weiter.

Kritik: Die Kilometerangaben bis zu den Stationen stimmten leider konsequent die gesamte Tour über nicht. Ursprünglich sollte die erste Station schon nach 30 km kommen. 5 Kilometer weiter hinten kam sie erst. Nicht das die Distanz viel wäre, aber die Abweichung zog sich ja immer weiter fort und so wusste man nie wann wirklich wieder eine Station kommt. Hier wünsche ich mir für 2015 einfach echte Werte.

Nach 76 km statt 69 km erreichte ich in einer kleinen Gruppe die zweite Station. Hier stand Kuchen, Kaffee, Bananen und Brot zur Verfügung. Immer auch Wasser und diverse Zusammensätze von Xenofit.

In Neustrelitz, nach 108 (statt 100) km war Station 3 erreicht. Ich nutzte diesmal die Chance auf eine Massage und habe mir eine Gemüsebrühe geholt. Leider gab es diese mit Holzlöffel. Der bog sich nach zwei Minuten nach unten und schmeckte für meinen Geschmack zu hölzern. Also wurde die Brühe getrunken statt gelöffelt. 😉 Ist ja auch nicht schlimm.

Die Massage war klasse. Meine Waden waren wie neu und ich konnte auch ohne Probleme weiterfahren. Ich hatte aber nie erwartet wie schmerzhaft eine Massage sein kann. Freiwillig kriegt mich keiner mehr auf so eine Liege. 😛

Station 4: Kälte pur

Ich möchte die 4. Station nach 159 km gerne besonders erwähnen. Zum einen gab es hier Nudeln. Und für jeden der Hackfleisch in der Soße nicht mag, hatte man sich mit Tomatensoße bewaffnet. Dadurch kam auch ich zu leckeren Nudeln mit Tomatensoße. Der Becher war reichlich. Anschließend zögerte ich das Pieseln absichtlich länger raus. Denn endlich mal nicht in ein dunkles Dixi. Nein, diesmal in beheizten öffentlichen Toiletten. Und das muss in Anbetracht der Kälte und Feuchtigkeit ausgenutzt werden.

Bekleidet war ich mit kurzer Hose und kurzem Trikot, sowie meiner langen Regenjacke. Also durchaus vom Wind und Regen geschützt. Jedoch wärmte mich dieser Kleidungsstil nur während der Fahrt und kein bisschen bei Pausen. Ich konnte niemals länger als zehn Minuten pausieren ohne zu frieren. Zumindest bis zum nächsten Mittag war das unmöglich. Da ich mich beim fahren aber wohlbekleidet fühlte würde ich auch in Zukunft wieder so fahren. Also erneut ohne lange Hose und ohne langes Trikot.

Immerhin war ich spätestens nach drei bis vier Minuten in Bewegung jeweils aufgewärmt.

200 Kilometer sind geschafft

Nach 210 Kilometern gab es wieder eine Verpflegungsstation. Es ist die viertletzte der Tour und somit Halbzeit war die Stationen angeht. Daran denkt man aber nicht – ich nicht. Ich habe von Station zu Station gedacht. Irgendwann kommt eben keine mehr sondern nur noch das Ziel.

Ich kann gar nicht über jede Station schreiben. Deshalb möchte ich nur kurz noch die letzte Station erwähnen.

Ernste Kritik

Es ist ein absolutes Unding, dass man die Route verlassen muss und 1.000 Meter abseits eine Station anfahren muss, die nur über grobes Kopfsteinpflaster erreichbar ist. Zwischendurch kam schon immer mal Kopfsteinpflaster. Nimmt man hin. Ist auch in Ordnung wenn es nicht übertrieben wird. Aber solches, welches aus dem Mittelalter stammt, sollte man Teilnehmern nicht nach 300 km zumuten. Außerdem opfert man hier sein Material und damit gerne über tausend Euro teure Laufradsätze.

Da hörte der Spaß auf. Ist ja nicht gewollt das jeder dann die Gehwege befährt und Passanten auf die Straße ausweichen müssen, nur weil Rennräder teils mit 30 km/h auf dem Gehweg kommen. Hier plant die Stationen bitte beim nächsten Mal besser.

Auch zwischendurch kam einmal richtig böses Kopfsteinpflaster. Und weil der Blick nur auf die Straße ging, verpassten viele Fahrer die unmittelbar anschließende Abbiegung. Es bleibt da keine Zeit um am Straßenrand Schilder zu suchen. War wirklich verrückt vom Streckenplaner.

Wir Teilnehmer haben im Hintergrund keinen Sponsor der uns nach der Tour die Reparaturen bezahlt! Bitte berücksichtigt dies für 2015!

Letzte Etappe

Die letzten 22 Kilometer konnte ich endlich meine Regenjacke ausziehen. Natürlich war darunter alles schon durchgeweicht. Nicht aber vom Regen. Trotzdem fuhr es sich nun besser bis zum Ziel.

Wir haben es gemeinsam noch mal geschafft eine richtig gute Gruppe zu bilden. So fuhren wir nicht mehr nur zu viert, wie sonst die meiste Zeit, sondern waren direkt mal acht bis zehn Leute die Zweierreihe ordentlich Tempo machten. Teils legten wir auch jetzt die Kilometer mit deutlich über 30 km/h zurück. Was uns in „Windeseile“ in Richtung Ziellinie brachte.

Zieleinfahrt

Ziel der Mecklenburger Seen Runde
Ziel der Mecklenburger Seen Runde nach ca. 322 Kilometern.

Nach etwa 322 km waren wir wieder im Kulturpark Neubrandenburg angekommen. Die Mecklenburger Seen Runde fand für uns einen krönenden Abschluss. Noch schnell über die Brücke im Park und dann ab auf die Zielgerade. Dort tobten die Zuschauer schon und feuerten uns alle kräftig an. Überraschend war jedoch, die Brücke, auf die man doch mit sehr viel Schwung hoch will, war frei für Fußgänger. Und da es nur eine Art „Bogen“ war, sah man beim hochfahren nicht was einem bei der Abfahrt erwartet. Dies schockierte mich ein letztes Mal und stellte ein erhebliches Sicherheitsrisiko für Teilnehmer und Zuschauer dar.

Brücke im Kulturpark Neubrandenburg
Brücke im Kulturpark Neubrandenburg

Ich dachte sofort: „Brücke sehen… und sterben?“ (Original: Brügge sehen… und sterben?)

Jetzt aber schnell über die Ziellinie. Und hier wurden wir alle von Mädels empfangen die uns Medaillen um den Hals hingen und beglückwünschten zum Ergebnis. 322 km, da ist man anschließend ziemlich fertig. Ich freute mich dann aufs Gruppenfoto mit meinen Mitstreitern die ab der Hälfte mich in ihrer Gruppe integrierten. Trotz all der Anstrengung haben wir zwischendurch immer viel Gelacht und jede Menge Spaß gehabt. Gleiches gilt auch für die erste Hälfte der Tour!

Gruppenfoto der MSR 2014
Gruppenfoto unserer kleinen Gruppe der MSR 2014 / Foto: Jens Schmidt

Fazit zur Mecklenburger Seen Runde 2014

Ich würde erneut an der Mecklenburger Seen Runde teilnehmen. 2015 ist das Datum denkbar ungünstig aber ich werde sehen. Wenn, fahre ich wieder abends los und werde eine Nachtfahrt machen. Die Strecke war teils sehr uneben in der Nacht und der Regen trug seinen Teil bei. Ich fuhr mit zwei sehr guten Lampen. Somit sah ich fast immer alles sehr gut. Sicher fühlte ich mich, auch wenn ich dafür manchmal Tempo rausnehmen musste.

Leider waren in den Nachtabschnitten auch streckenweise die Randstreifen der Fahrbahn verschwunden. Also keine Markierungen aufgetragen. Was die Orientierung schwieriger machte. Einige Fahrer sind wirklich von der Fahrbahn abgekommen. Leider gab es auch Stürze und Besuche im Krankenhaus. Zum Glück lief bei mir alles gut – auch technisch. Mein Scott CR1 hat mich gut durch die Seenplatte gebracht.

Es war die erste Ausgabe der Mecklenburger Seen Runde. Dafür war sie wirklich gut organisiert. Fehler passieren, daraus lernen die Veranstalter. 2015 wird besser und auch wieder Fehler haben. Die gibt es immer. Hauptsache man wiederholt Fehler nicht, die häufig bemängelt werden. Mittelalterliches Kopfsteinpflaster, leere Verpflegungsstationen für späte Ankömmlinge etc. Und wie gesagt, Passanten auf der Strecke zur Zieleinfahrt, wo man sowieso nur noch mit sich selbst kämpft, sind ein absolutes Sicherheitsrisiko!

Ich bin wieder dabei, coole Tour! Leichte Anpassungen an der Route und alles wird gut.

Herzlichen Dank an alle freiwilligen Helfer. Ihr habt bei Wind und Wetter geholfen, verpflegt und angefeuert! Tadellos, ihr habt die Tour maßgeblich überhaupt ermöglicht!

Fahrrad Testberichte

5 KOMMENTARE

  1. Hallo Sören,
    deine Kritik wegen des Kopfsteinpflasters kann ich nicht nachvollziehen. Brevets und Langdistanzrennen sind doch bekanntlich nur für harte und verrückte Radler gemacht und der Dachverband der Randonneure heißt „Audax Randonneure“ – tollkühne Radwanderer. Veranstalter bauen solche Kaiserpflaster-Passagen sogar extra ein, um die Teilnehmer ein bisschen aufs Zahnfleisch zu fühlen. Teure Leichtbau-Technik ist hier sowieso allgemein fehl am Platz, trotzdem fahren die Spitzengruppen bei den Brevets einen Schnitt von über 30 km/h. Des Weiteren finde ich die Veranstaltung für 150 € maßlos überteuert. Die Brevets in Sachsen kosten 9€ ohne – und 18€ mit Medaille (wird dir am Ende der Saison zugeschickt – vom Weltverband aus Paris).

    Gruß aus Schkopau
    Christian

  2. Hallo,
    ein schöner Artikel über die Mecklenburger Seenrunde.
    Ich überlege auch im nächsten Jahr daran teilzunehmen, jedoch schreckt mich die hohe Anmeldegebühr ein wenig ab. Lohnt es sich denn? Wieviele Kilometer bist du davor gefahren?

    Grüße
    Marc

  3. Hallo Marc,

    ich kann Dir die Mecklenburger Seen Runde 2015 sehr empfehlen. Die Tour selbst war schon 2014 eine gelungene Runde und ich bin die 322 km wirklich gerne gefahren. 2015 möchte ich sie erneut fahren. Ich habe aber keine Eile bei der Anmeldung, da sicher wieder ausreichend Plätze verfügbar sind. Die Organisation geht besser. Damit rechne ich im nächsten Jahr. Immerhin wird es nun die 2. Auflage und da sind einige Fortschritte zu erwarten.

    Die Kosten, nun, nehme ich gerne in kauf. Klar ist es viel Geld, aber man bekommt auch sehr viel geboten. Ich finde es hochpreisig aber in Ordnung.

    Beste Grüße
    Soeren

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT