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Radtouren

Rückblick auf die Historica 2014

Historica Leipzig

Vergangenen Samstag, den 23. August 2014, war die RTF Historica 2014. Stattgefunden hat das Event im beschaulichen Borsdorf, Ortsteil Panitzsch, ganz in der Nähe von Leipzig. Dort veranstaltete auf der alten Trabrennbahn, der HALLZiG Express e.V. die zweite Auflage der RTF.

Meine Anreise

Von Merseburg aus habe ich mich 6.25 Uhr mit meinem Rennrad in den Bus gesetzt. Eine Stunde ging es in einem fast leeren Bus, bis zum Hauptbahnhof Leipzig.

Von dort konnte ich mich einfahren. 11 Kilometer bis zur Trabrennbahn – Start / Ziel der Veranstaltung. Ich habe mir eine Route durch die Stadt gesucht, die immer vom Radweg begleitet wurde. Hat super funktioniert und ich konnte auf Straßen verzichten die von Bahngleisen durchzogen waren.

Was mir auf der Anfahrt schon auffiel: keinerlei Plakate für das Event. Auch nicht wenige Minuten vorm Veranstaltungsort. Ich habe auch in der regionalen Presse zuvor keine Informationen über die Historica 2014 finden können. Einzig auf ein paar Radseiten sowie in einschlägigen Foren. Restliche Quellen, vor allem auch leicht zugängliche Quellen, lies der Verein scheinbar aus. Es kann jedoch sein, dass man nicht zu viel Aufmerksamkeit gewinnen möchte.

Die Ankunft

07:50 Uhr kam ich dann auf der Trabrennbahn an. Etwas erschrocken war ich von den wenigen Leuten. Bereits 08:00 Uhr soll der Startschuss für die 200 km Marathon-Strecke fallen. Und nur knapp 30 Leute sind anwesend.

In der Zwischenzeit holte ich mir meinen Starterbeutel. In diesem befand sich die Startnummer fürs Fahrrad und Trikot. Außerdem eine wirklich schöne und robuste Trinkflasche. Ganz viel Werbung und ein 2in1 Duschbad. Die Nummern waren schnell angebracht. Nach meiner Teilnahme an der Mecklenburger Seen Runde im Mai, freute ich mich über die vergleichsweise kleinen Schilder die ans Rad mussten. Hier also ein Lob an den Veranstalter. Die Nummernschilder für die Fahrräder waren in einer angenehmen Größe.

Nachdem ich alles fertig hatte und mich auf meinen Start 09:00 Uhr freute, schaute ich mir schnell den Startschuss der Marathon-Tour an. Mit einer Kanone fiel der Schuss. Extrem laut. Moderiert wurde dieser Start auch ein bisschen. Richtig Stimmung machte der Moderator aber nicht. Für wen auch. Ich glaube es waren nur 15 Leute (vielleicht ein paar mehr, oder weniger), die sich für die 200 km entschieden haben. Die Werbung für eine solche Tour muss einfach besser werden. Schließlich sind die 322 km in Neubrandenburg über 2.000 Leute mitgefahren.

Organisation der RTF Historica 2014

Großes Lob dafür, dass dieses Jahr die Gäste und Teilnehmer die Möglichkeit zum Zelten hatten. Dafür stand auf dem Gelände eine große Wiese zur Verfügung. Wurde auch von einigen Leuten genutzt. Ein Lob auch für die wirklich einfache Anmeldung im Vorfeld sowie die Durchführung der Anmeldung vor Ort. Reibungslos.

Dann jedoch wollte ich nach dem Start der Marathon-Teilnehmer, meinen Rucksack verschließen lassen. Schließlich will ich nicht Rennrad mit Rucksack fahren. Im Vorfeld habe ich auf Facebook bei der Veranstaltung gefragt, wie es mit der Abgabe von Rucksäcken aussieht. Keine Reaktion.

Vor Ort dann der kleine Schock. Persönliche Sachen können nicht abgegeben werden. Die Teilnehmer reisen ursprünglich mit dem Auto an und verstauen ihre Wertsachen etc. im Auto. Nur wenige – wie eben auch ich – nutzen öffentliche Verkehrsmittel. Zum Glück durfte ich meinen Rucksack dann „auf eigene Gefahr“ dennoch im Gebäude abstellen. Bewacht wurden die Sachen nicht. Eingeschlossen auch nicht.

Für mich ist das ein Unding. Ganz ehrlich, bei anderen RTF kann unterwegs sogar Kleidung etc. in Beuteln abgegeben werden und die kriegt man im Zielbereich anschließend zurück. Hier in Leipzig kann nicht mal vorab etwas abgegeben werden. Verstehe ich einfach nicht. Dafür hätte man sogar eine Gebühr erheben können, die anschließend Bärenherz etc. bekommen hätte. Die Kritik wird hoffentlich für 2015 akzeptiert und umgesetzt.

Meine 80 km Historica 2014

Bis 09:00 Uhr verging noch einige Zeit. Als es dann endlich so weit war, setzte der Regen ein und der Start wurde auf 09:05 Uhr verschoben. Dann der Knall. Die Kanone leitete den Start der 50, 80, 110 und 150 km Strecken ein. Alle zusammen fuhren los. Auf dem im Start / Ziel Bereich noch etwas lockerem Untergrund war die Disziplin im Feld in Ordnung.

Ich war mitten drin und arbeitete mich immer dann, wenn Platz war, vorsichtig am Feld vorbei nach vorne. So dass ich nach etwa 10 Kilometern unter den ersten 20 Teilnehmern fuhr. Was bisher noch bei Tempo 30 bis 32 km/h ziemlich gut lief, wurde später für mich anstrengend. Die Spitze zog teilweise auf 40 km/h und mehr an. Was ich persönlich nicht mitgehe. Ist aber okay, denn es gibt viele Leute die auch lieber um die 30 km/h fahren. So lies ich die Spitze fahren.

Nach 20 km kam der erste Verpflegungsposten. Ich überlegte kurz weiterzufahren. Jedoch war die Station direkt am Straßenrand und die Leute die anhielten, verteilten sich mitten auf der Straße. Man musste sowieso aus den Pedalen wenn man durch diesen Pulk will. Ein Parkplatz oder ähnliches hat sich wohl im Umkreis nicht finden lassen. Das war schon ziemlich fies.

Die Freiwilligen die Tee, Bananen, belegte Brote, Waffeln, Kuchen und andere Stärkung vorbereiteten waren sehr freundlich. Zwar regnete es immer wieder, aber die Helfer hatten stets gute Laune und übertrugen diese auch auf die Teilnehmer.

Zwei Stück Kuchen, einen Becher Eistee und eine halbe Banane, dann ab in die Pedalen und weiter. Leider fuhr zu meiner Zeit sonst niemand los. Ein paar Fahrer sind schon weg, die Mehrheit nutzt die Station wohl länger. Ich fuhr allein weiter, nach nur 20 km und eben dieser einen Station, also keine Gruppe mehr. Auf die kommenden 60 km freute ich mich mäßig, konzentrierte mich also nur noch auf mein Tempo.

Altes Rennrad bei der RTF Historica 2014

Bald teilte sich die Strecke an einer Kreuzung in drei Richtungen. Ich musste gerade aus, denn dort verlief meine 80 km Tour entlang. Hier konnte ich wieder auf eine Gruppe aus vier Leuten aufschließen. Der Regen wurde stärker. Die Gruppe hielt wenige Kilometer später an, um Regenkleidung anzuziehen. Ich fuhr in kurzer Hose und Trikot weiter, der Himmel lockerte auf und fünf Minuten danach kein Regen mehr. Der Stop wäre unnötig gewesen. Die Gruppe irgendwo hinter mir, stellte ich mich nun dem Gegenwind auf eigene Faust.

Bei Kilometer 32 ging es los. Vor mir ein Schild. Dessen Aussage: 15% Steigung. Okay, ist im ersten Moment nicht viel. Der Gegenwind hatte mich ein bisschen geärgert und mit einer solchen Steigung hatte ich mitten in einem Dorf nicht gerechnet. Diese zog sich dann etwa 1.200 m weit hin. Ich radelte sie im lockeren Tritt mit 12 bis 14 km/h hoch. Bloß nicht zu viel Kraft verlieren und absteigen. Schließlich wusste ich nicht wie weit der Berg geht. Auf jeden Fall weiß ich, die Bergstraße hat ihren Namen verdient. Ich hoffe die Scherben die dort am Straßenrand lagen, hat niemand erwischt.

48 km nach dem Start kam die zweite Verpflegungsstation. Ich kam dort allein an und fuhr auch allein wieder los. Es waren nur wenige Leute an der Station. Die meisten kommen erst noch. Einige sind durchgefahren. Zwei Eistee, zwei Brote mit Leberwurst und zwei Waffeln, dann weiter.

Auch die letzten 32 km bis ins Ziel fuhr ich durchgehend allein. Weit und breit konnte ich keine anderen Teilnehmer sehen. Wäre die Strecke nicht „idiotensicher“ ausgeschildert, hätte ich an meiner Fahrtrichtung ernsthaft gezweifelt. So aber wusste ich ja, stets auf der korrekten Route unterwegs zu sein. Teilweise fuhr ich nur noch 22 km/h weil der Gegenwind und lange aber geringe Steigungen an den Kräften zogen. In einer Gruppe ist das kein Problem. Da geht jeder mal in den Wind. Die 322 km in Neubrandenburg waren für mich deutlich leichter zu fahren als die kurzen 80 km. Es war meine erste RTF die ich sozusagen „allein“ fuhr. Und da hätte ich auch Zuhause fahren können. 😉

Am Ende lies ich es nur noch ausrollen. Das Ziel ist in Sichtweite. Eine letzte rote Ampel beachten und dann ab. Im Ziel die Medaille. Klassisch, aus Holz. Wirklich schön anzusehen. Gefällt mir, weil sie zu einer Radtour mit historischen Fahrrädern einfach passen.

Keiner da? Okay, ein paar Leute sind dort, weil eben schon ein paar wenige angekommen waren. Viele kamen mir schon entgegen, die waren auf dem Heimweg. Hatten die 50 km Tour gefahren. Es war ja kein Rennen, eine RTF ist grundsätzlich kein Rennen. Aber so wenig Aufmerksamkeit, wo doch der Verein so groß ist? Der Moderator im Ziel hat auch keinen Wert auf eine Moderation der Zieldurchfahrt gelegt. Nicht bei mir und nicht bei anderen. Bei einer späteren Gruppe aus etwa 8 Leuten sagte er nur: „Nun kommt eine größere Menge an Fahrern, da werden die beiden Mädchen mit den Medaillen aber viel zu tun haben“.

Meine Heimreise

Ich holte meinen Rucksack, erlaubte mir ein Gel und verschwand. Fuhr noch zu einem Kollegen, etwa 16 km entfernt auf der anderen Seite von Leipzig. Natürlich mit dem Fahrrad. Nach einem leckeren Brötchen mit Nutella fuhr ich auf dem Rennrad noch 35 km von Leipzig nach Merseburg. Ganz entspannt, fast wie auf einem Tourenrad mit lockeren 22 km/h.

Fazit zur Historica 2014

Die Streckenführung war wirklich angenehm. Die Streckenbeschaffenheit war super. Sehr gute Qualität der Fahrbahn und sogar das Kopfsteinpflaster war extrem flach und selten. Für den Regen und Wind kann niemand etwas. Der Himmel hat eben geweint vor Freude. Passte auch irgendwie zu Klassikern. Stimmung kam keine auf.

Es waren sehr, sehr viele klassische Räder am Start. Toll, was mir da so unter die Augen kam. Vom Veranstalter habe ich aber mehr erwartet. Zuschauer gab es nicht wirklich. Entsprechend auch keinerlei Jubel.

Ich will die Veranstaltung nicht schlecht hinstellen. Wirklich. Da wo man gepunktet hat, hat man einen perfekten Job gemacht. Eben zum Beispiel bei der Streckenbeschilderung, Auswahl etc. Alles mit Bestnote. Wenn sich einer verfahren hat, war er blind. Teilweise hingen drei Pfeile übereinander. Schlaglöcher wurden farbig markiert und auf der Fahrbahn gab es an besonders schwierigen Stellen sogar Pfeile direkt auf dem Asphalt.

Die Verpflegung war spitze.

Trotzdem, mehr als der normale Spaß am Rennrad fahren, kam bei mir nicht auf. Ins Gespräch kam ich mit niemanden, außer kurz mit Detlef, Organisator der Mecklenburger Seen Runde. Wir hatten uns vorher schon mitgeteilt das wir anwesend sein werden. Das freute mich.

Die RTF Historica kenne ich nun. Ich sehe aber keinen Grund diese Veranstaltung 2015 erneut zu besuchen. Man fühlt sich zwischen den zahlreichen Vereinsmitgliedern ein bisschen verloren. Und gefühlt waren es wirklich fast alles Gruppen aus Leuten diverser Vereine. Regional natürlich. Leider vom TCM (Triathlon Club Merseburg) niemand außer mir.

Ich weiß ja von anderen RTF, dass es auch mit der Atmosphäre besser geht. Solche Veranstaltungen nutze ich natürlich gerne um andere Regionen kennenzulernen. Und die Region um Leipzig ist auch wirklich ansehnlich.

Großes Lob an den Veranstalter dafür, 300 bis 400 Leute problemlos versorgt zu kriegen. Meine Kritik soll helfen, nicht schädigen. Nichts davon kommt in böser Absicht. Kritikfähigkeit setze ich aber bei Veranstaltern generell voraus, da man sonst solch einen Job nicht machen sollte. 🙂

Ich wünsche der RTF Historica für die kommenden Jahre viel Erfolg. Einen weiteren Besuch schließe ich nicht aus, aber 2015 fahre ich noch nicht wieder mit.

Titelbild: Marzolino / shutterstock.com

Ich fahre seit vielen Jahren Mountainbike und seit 2013 Rennrad. Mit dem Rennrad nehme ich an großen Events wie der Vätternrundan in Schweden oder der Mecklenburger Seen Runde teil.

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