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Testberichte

M1 Sporttechnik: Spitzing Pedelec im Test

M1 Spitzing

Am 01. Oktober 2014 hatte ich das Vergnügen, mit dem Spitzing Pedelec in der 45 km/h Version (S-Pedelec), eine umfangreiche Testfahrt zu machen. Im Moment gibt es nur 4 Prototypen vom Spitzing und es ist nicht einfach, sich dieses Pedelec mal eben für 40 Kilometer unter den Nagel zu reißen. Ich habe es aber geschafft, da M1 Sport an diesem Tag in der Nähe zu Besuch war. Meine Eindrücke vom M1 Sport Spitzing S-Pedelec teile ich jetzt gerne mit euch.

Optischer Eindruck

Das M1-Spitzing wird vom Hersteller als „das WOW-Bike“ in den Prospekten betitelt. Geschrieben wird von einem „kraftvoll anmutenden Kohlefaser-Rahmen“. Wer sich das „Gerät“ live anschaut wird dies bestätigen. Geschmack liegt im Auge des Betrachters aber kraftvoll wirkt das Spitzing wirklich.

Viel mehr transportiert das Design für mich jedoch Sportlichkeit. Was Fritzmeier hier als Rahmen ins Rennen schickt ist wirklich schön anzusehen. Spitzing wirkt nicht zu „bullig“ und sieht aus wie ein Mountainbike statt wie ein kleines Motorrad.

Über die Verarbeitung kann ich noch nichts sagen. Da es ein Test-Bike ist, war noch nicht alles dort wo es später sein wird. Wer aber Modelle wie das M1 Sedan kennt, wird auch beim Spitzing richtig hohe Erwartungen haben.

Technische Daten

Das Spitzing kommt mit einer maximalen Leistung von 850 Watt, die in einem Mittelmotor auf ihren Einsatz warten. Dabei werden Geschwindigkeiten bis 75 km/h erreicht. Ich habe die mittelgroße Version getestet, also das S-Pedelec mit einer maximal unterstützten Geschwindigkeit bis 45 km/h. Und keine Sorge, es geht auch schneller, aber dann nur noch mit Muskelkraft. Die reichte bei mir bis 62 km/h. 😉

Die große Version beschleunigt in 7,5 Sekunden von 0 auf 50 km/h. Zumindest laut Hersteller. Ich denke das geht schneller. Zumindest dauerten bei mir bei der gefahrenen Version die 45 km/h keine 7 Sekunden, vielleicht 5 Sekunden.

120 Nm schieben das Bike vorwärts. Wie ich finde, eine sehr gute Beschleunigung die nicht brachial wirkt aber durchaus Spaß macht. Vor allem wenn es darum geht, in der Stadt eine Herausforderung an der roten Ampel anzunehmen. 😉

Spitzing M1 Motor

Hier ein paar Herstellerdaten allein zum Motor:

WertPedelecS-PedelecR-Pedelec
Leistung250W500W850W
Vmax25 km/h45 km/h75 km/h
Leistung max.600W800W850W
Drehmoment120Nm120Nm120Nm
Spannung48V48V48V

Technisch top finde ich auch die elektronische Unterbrechung beim Schalten und Bremsen. Sobald der Bremshebel an seinen Druckpunkt kommt, setzt die Motorleistung sofort aus. Auch beim Schalten in einen anderen Gang wird der Motor für einen kurzen Moment entriegelt. Dadurch entsteht keine zusätzliche Belastung auf der Fahrradkette, wie man es sonst oft bei Pedelecs mit Kettenschaltung kennt. Der Verschleiß ist vermutlich trotzdem höher als bei einem normalen MTB, aber eben geringer als bei Pedelecs deren Motoren beim Schaltvorgang weiter unterstützen.

motorunterbrechung

Unterbrechung der Leistung beim Schaltvorgang

Leistung am Lenker steuern

Die Leistung wird direkt am Lenker gesteuert und ist jederzeit auf dem „King-Meter“ ablesbar. Von Stufe 0 bis Stufe 5 wird über zwei Pfeiltasten, direkt neben dem linken Handgriff, die Stufe reguliert. Auf dem Display ist sie dann als „PAS 5“ (Stufe 5) ablesbar. Auch der Akkustand sowie Geschwindigkeit, Distanz, maximale Geschwindigkeit und Durchschnittsgeschwindigkeit, sind Werte die jederzeit über das große Display erkennbar sind.

kingmeter

Erkennbar, gutes Stichwort. Das Display ist mit heller und dunkler Sonnenbrille sehr gut zu lesen. Auch bei Sonne die direkt aufs Display blendet gibt es keine Probleme.

Die Testfahrt mit dem M1 Spitzing

Komme ich mal zur Testfahrt. Ich habe das Spitzing für etwas mehr als eine Stunde ausführlich ausprobiert. So sah es danach auch aus. Los ging es direkt vor der Tür eines Händlers und dies war auch wieder mein Ziel. Ich dachte mir, ich umfahre mal den Geiseltalsee und probiere das Spitzing dadurch auf über 40 Kilometern aus.

Das Wetter war gut, aber die Fahrbahn zum Teil noch nass vom Regen der Nacht. Ausgehändigt wurde das Bike mit Schwalbe Rocket Ron als Bereifung. 650B, versteht sich. Also ein Reifen der durchaus guten Grip auf feuchter Fahrbahn bietet und am liebsten auf Schotter und Waldwegen gefahren wird. Meine Runde war eine Mischung aus viel Asphalt, losem Untergrund und Wiesen.

Zunächst habe ich die verschiedenen Leistungsstufen ausprobiert. Begonnen bei Stufe 1, die mich bis auf 30 km/h unterstützt hat. Weiter geht es nur mit Muskelkraft oder mit der nächsten Stufe. Die folgenden Stufen machten sich hauptsächlich in der Stärke ihrer Unterstützung bemerkbar und weniger darin, bis zu welcher Geschwindigkeit sie helfen. Denn bis 45 km/h geht es. Die ersten Kilometer aus der Stadt raus habe ich dann mit Stufe 3 erledigt. So konnte ich mich an die Unterstützung des Motors kurz gewöhnen. Ordentlich Vortrieb gibt es ohnehin.

Fast ohne eigene Anstrengung fährt es sich mit Stufe 5. Hier tritt jeder die 45 km/h ganz locker. Auch über eine sehr lange Distanz kann die maximale Geschwindigkeit gut im achten oder neunten Gang bei einer lockeren Trittfrequenz getreten werden. Wer mehr will, schaltet hoch und tritt das Spitzing durch Muskelkraft. Hier war bei mir bei 62 km/h allerdings schnell Feierabend. Es ist kein leichtes Bike, aber das spielt mit dem Motor keine Rolle. Spürbar ist das Gewicht immer nur dann, wenn man die 45 km/h überschreiten möchte oder mal ohne Unterstützung fährt.

Der Schwalbe Rocket Ron wäre jetzt nicht meine erste Wahl. Sobald der Untergrund fest wird und 40 km/h oder mehr gefahren werden, wird der Reifen doch etwas schwammig in seinem Fahrverhalten. Natürlich bin ich da vom Rennrad verwöhnt. Die Reifenwahl ist aber ja jedem Fahrer selbst überlassen. Ich würde es etwas sportlicher wählen und mehr auf die Straße auslegen. Also über einen Table Top oder sogar einen Big Apple nachdenken. Griffig ist der Rocket Ron immer dann gewesen, wenn der Boden lockerer wurde. Auch auf feuchtem Laub gab er mir Sicherheit und lies sich gut bremsen.

Bergauf konnte ich das Bike natürlich auch ausprobieren. Schließlich musste ich aber feststellen, dass mir der Weinberg, der sonst auf dem Rennrad kurzes Brennen verursacht, zu Füßen lag. Fakt ist, er war nicht wirklich zu merken. In Stufe 5 ging es mit lockeren 30 bis 35 km/h den Weinberg hinauf. Kein Problem also, hier mal schnell einen neuen Rekord aufzustellen. Beim nächsten Mal wird mich der Berg wieder auslachen, denn dann fehlt mir der Mittelmotor.

Hier die Daten meiner Testfahrt mit dem Spitzing:

Reichweite des Akkus

Als ich Stufe 5 fuhr, merkte ich natürlich auf dem Display die schwindende Reichweite des Akkus. Auf Nachfrage bei M1 Sport teilte man mir mit, mit dieser Stufe gut 60 Kilometer zu kommen. Stolze Distanz, wenn man bedenkt wie viel Power auf diese Distanz gefordert wird. Wer es bequem angehen lässt, kann in Stufe 1 bei immer noch 30 km/h gut und gerne 120 bis 140 km fahren. Danach muss der Akku 3 Stunden geladen werden und steht wieder mit voller Power zur Verfügung.

Ich konnte den Akku nicht komplett testen, dafür fehlte mir zum einen etwas die Zeit und zum anderen war der Akku bereits vor meiner Testfahrt in Gebrauch. Aber die 43 Kilometer habe ich fast nur in Stufe 4 und 5 gemeistert und es war noch ein Schlückchen Energie vorhanden. Ach, und mein Akku war natürlich noch voll. 😉

Preise

Reden wir übers Finanzielle. M1 Sport ruft für das Spitzing in der normalen Pedelec-Version 5.799 Euro auf. Für die Sport-Version bis 45 km/h müssen 5.999 Euro auf den Tisch und die Race-Version (R-Pedelec) kostet 6.499 Euro. Die Preise gelten für die Grundausführung. Sicher gibt es noch Optionen beim Kauf, durch die sich der Preis verändert. Etwa durch anderes Zubehör.

Keine Frage, es ist viel Geld. Ich empfinde es aber als einen fairen Preis. Und das Spitzing soll auch kein Massenprodukt werden sondern jährlich nur in einer begrenzten Stückzahl auf im Handel verfügbar sein. Wenn ich MTB-Fahrer wäre – was ich aber nicht bin – würde ich tatsächlich über die Anschaffung nachdenken. Es bietet jede Menge Spaß im Gelände. Lässt einen Anstiege meistern, vor denen man sonst niederkniete. Und in der Abfahrt macht es auch ohne Motorunterstützung richtig Laune.

Fazit

Im Frühjahr 2015 will M1 Sport das Spitzing auf den Markt bringen. Die Resonanz auf der Eurobike war laut Gesprächen sehr gut. Das Interesse am Bike ist groß.

Ich freue mich drauf, dieses Bike auf der Straße zu sehen. Die Testfahrt hat mich echt überzeugt. Und ich fand dadurch das SEDAN ONE, was mich als Singlespeed-Freund ja mal richtig reizt. 🙂

Ich fahre seit vielen Jahren Mountainbike und seit 2013 Rennrad. Mit dem Rennrad nehme ich an großen Events wie der VĂ€tternrundan in Schweden oder der Mecklenburger Seen Runde teil.

6 Comments

6 Kommentare

  1. Michael

    8. November 2014 at 13:33

    Vielen Dank fĂŒr den Bericht. WĂŒrdest Du bitte folgende Fragen beantworten:
    1. GerÀuschentwicklung des Motors (generell stört mich GerÀuschentwicklung nicht, wohl aber hochfrequentes Pfeifen, wie es offensichtlich beim neuen Yamaha sein soll).
    2. Sitzposition: eher komfortabel oder gestreckt. Ist wichtig, weil Vorbau und Lenker beim S-Pedelec nachtrĂ€glich nicht verĂ€ndert werden dĂŒrfen.
    3. Wie groß bist Du, welche Rahmenhöhe bist Du gefahren (Das Bike wirkt etwas klein bei Dir)?
    4. Irgendwelches Klappern?
    5. Wie fĂ€hrt sich das Bike bei komplett ausgeschalteter UnterstĂŒtzung?
    Vielen ank fĂŒr Deine Antwort!

    • Soeren

      14. Januar 2015 at 13:50

      Hallo Michael,

      die GerĂ€uschentwicklung des Motors war in Ordnung. Man hört ihn und er klingt auch wie ein Elektromotor (leider, V8 wĂ€re schöner!) aber es ist wirklich keine hohe Frequenz. Zudem fĂ€hrt man mit dem Spitzing vermutlich auch eher in einem Tempo wo der Motor nicht mehr sonderlich gehört wird. Die Sitzposition war fĂŒr mein Empfinden sehr komfortabel. Es handelte sich um die GrĂ¶ĂŸe M und ich wĂŒrde hier auch eine grĂ¶ĂŸere Version (L) fĂŒr mich (183 cm KörpergrĂ¶ĂŸe) wĂ€hlen. Auf dem Bild bin ich nicht, ich habe das Foto nur gemacht. 😉

      Klappern kann ich nicht beurteilen. Ich bin einen Prototypen gefahren da es noch kein Serienmodell gibt. Sprich, es sind noch nicht alle ZĂŒge vollstĂ€ndig verlegt und auch sonst ist die Verarbeitung noch nicht vollstĂ€ndig abgeschlossen. Bis auf NebengerĂ€usche im groben GelĂ€nde, gab es aber keine störenden KlappergerĂ€usche.

      Bei komplett deaktivierter UnterstĂŒtzung merkt man das höhe Eigengewicht. Es wĂ€re gelogen zu behaupten, es wĂŒrde sich wie ein normales Fully fahren. Der Motor gibt keinen wirklichen Widerstand aber das Bike ist eben schwer!

  2. Karl Gruschi

    16. Februar 2016 at 12:02

    Als leser ihres Fahrradblogs habe ich folgende frage:
    Empfehlung wie man einen BOB Ibex 28 an meinem E-Bike –und jetzt kommts- mit Steckachse wie es die neuen Montenbike haben befestigt? KTM sagt mir der hĂ€nger kann nicht auf achse angehĂ€ngt werden .Ist schon komisch habe den neu gekauft und weiß mir jetzt nich zu helfen.
    HĂ€ndler sagt das gleiche .BOB hat keine alternative dazu ?????
    das kann es doch nicht gewesen sein.???

    Bitte um eventuelle aufklÀrung ob es doch geht an der Hinterachse mit irgende einem Umbausatz dies zu ermöglichen.
    Freundliche grĂŒĂŸe aus Tirol

    • Soeren

      16. Februar 2016 at 12:10

      Hallo Karl,

      wenn du kein Bike mit Carbonrahmen hast, sondern Alu oder Stahl, kann dir sicher die Firma Weber helfen. Die haben Kupplungen und Adapter fĂŒr sehr viele Systeme. Ich empfehle dir, dort einfach mal zu schildern was bei dir die Problematik ist. http://www.weber-products.de/

      Beste GrĂŒĂŸe
      Soeren

  3. Stephan

    4. August 2016 at 16:29

    Wo bitte soll es das Spitzing in Merseburg geben ?

    • Soeren

      5. August 2016 at 07:49

      Hallo Stephan,

      auf Vorrat hat es in Merseburg derzeit kein Laden. Du kannst aber beispielsweise zu Zweirad Riese gehen und dich dazu beraten lassen und es bestellen. Alternativ einfach beim Hersteller selbst direkt informieren.

      Beste GrĂŒĂŸe
      Soeren

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